Wir widmen diese CD unserem Lehrer, Freund und langjährigen Mitspieler, dem Komponisten Mario Gutiérrez – sein Geist, seine Ideen, sein Mut und seine Kraft werden uns immer begleiten. Mit dieser CD wollen wir ihm danken und etwas von dem, was er uns geschenkt hat, weitergeben.

AKA PACHA

1. Cuiqocha ist ein Vulkansee in Imbabura (Ecuador). Rhythmisch akzentuiert und beschwingt wie die Menschen, die um den See herum ihre Feste feiern, kommt die Melodie für Harfe, Kena und Cello daher. Ruhig und klar wie die friedlich daliegende Oberfläche des Sees übernimmt die Harfe dann die Führung.

2. Samkasiña. Sanft träumend und meditativ beginnt das Stück mit gehauchter Siku (Panflöte), Harfe und Cello. Fast meint man ein Wiegenlied zu hören. Nach einigen Wechseln in der Melodieführung schleichen sich zwei echoartig spielende, archaisch anmutende Sikuras (Panflöten) ein. Cello und Wankara (große Schnarr-Trommel) gesellen sich dazu und treiben Rhythmus, Melodie und Zuhörer immer wilder in eine tiefe Trance.

3. Achachilas. Die Weisheit der Alten bedeutet in den traditionellen indianischen Dorfgemeinschaften noch immer sehr viel. Der Rat der Alten wird befragt: Es scheint, als würden im ersten Dialog zwischen Cello, Gitarre und Kena wichtige Lebensfragen kontrovers zwischen jung und alt diskutiert. Der folgende Zwischenteil mit Cello und Gitarre sammelt in großer Ruhe die Energie für den mitreißenden Schlußteil, in dem die Alten den Jungen etwas von ihrer mentalen Stärke zu vermitteln suchen.
Mario Gutiérrez hat das Stück "Achachilas" bereits Anfang der 70-er Jahre komponiert. Als Klassiker der bolivianischen Musik wurde es von zahlreichen Musikgruppen nachgespielt. Für AKA PACHA hat er den ursprünglich vorgesehenen Charango (kleine Andengitarre) durch das Cello ersetzt und den Zwischenteil neu komponiert.

4. Inti Paqariy. Die Schönheit des ersten Sonnenlichts wird hier von Cello, Harfe und Kena besungen. Zunächst noch klein und vorsichtig, nimmt die Intensität des Lichtes immer weiter zu, bis ein direktes Hineinschauen kaum noch möglich ist.

5. Killpa ist ein traditioneller Tanz zur Ehrung der Lamas. Alljährlich feiern die Menschen in der Gegend um das Dorf Chipaya ein mehrtägiges Fest für diese Tiere. Speisen und Getränke werden für sie zubereitet, und es erklingt eigens für sie komponierte Musik. Man versucht sogar, mit den Tieren zu tanzen.
Hier werden, mit Ausnahme des dezent begleitenden Cellos, ausschließlich traditionelle Instrumente eingesetzt: paarweise gespielte Sikus, Charango, Wankara und Chajchas (Rasseln aus Ziegenhufen).

Quimsa Pachanaca
 –  Die drei indianischen Jahreszeiten  –

Ja, es gibt, den klimatischen Gegebenheiten entsprechend, nur drei Jahreszeiten auf dem Anden-Hochland. Die Erde und die Naturelemente (Sonne, Mond, Wind und Regen) spielen dabei eine elementare Rolle. Die Aymara fühlen sich zur Erde gehörig, eher als ihre Diener denn als ihre Beherrscher.

6. Lupi Pacha, die Zeit der Sonne, entspricht in etwa unserem Frühling. In dieser Zeit (etwa von Oktober bis November) wird es allmählich wieder wärmer, und erste freundliche Regenschauer erfreuen die Menschen. Wärme und Regen wecken auch die Erde wieder auf.
Nacheinander werden die Instrumente wach und freuen sich mit den Menschen und der Erde.
Bestimmte Flöten und Trommeln werden nur in dieser Zeit gespielt. An einigen Stellen simuliert die Kena eine dieser Flöten (Pinkillo); Cello und Gitarre imitieren die schnarrenden Trommeln.

7. Jallu Pacha, die Zeit des Regens, entspricht in etwa unserem Sommer. In dieser Zeit (etwa von Dezember bis April) ist es warm und sehr regnerisch. Sonnen- und Regenphasen wechseln sich in schneller Folge ab. Es ist eine bewegte, arbeitsame Zeit. Die Menschen kümmern sich um die Erde und helfen ihr, sich zu befruchten (Saat) und am Ende zu gebären (Ernte).
Ursprünglich auch für Kena, Cello und Gitarre komponiert, hat AKA PACHA hier die Gitarre durch die paraguayische Harfe ersetzt. Sie vermag noch besser als die Gitarre das Perlen und Rauschen des Regens auszudrücken.
Ein immer wiederkehrendes, tänzerisches Motiv spiegelt die abrupt beginnenden und endenden Regengüsse, die gar nicht mehr aufzuhören scheinen.

8. Thaya Pacha, die lange Zeit der Kälte, ist vergleichbar mit unserem Winter. Etwa von Mai bis September ist es im Anden-Hochland sehr kalt und trocken, besonders nachts, wenn der Wind bis in die kaum beheizbaren Lehmhäuser eindringt. Es ist die Zeit, in der die Menschen die Erde ruhen lassen und ihr mit zahlreichen rituellen Festen huldigen.
Die Musik spiegelt den Gegensatz zwischen dieser äußeren Kälte und der inneren Wärme der stets zum Tanz aufgelegten Menschen.

 

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